Uwe Gensheimer

Die Vorrunde ist Pflicht – die Hauptrunde die Kür!

13. Januar 2022

Über viele Jahre hinweg führte Uwe Gensheimer das DHB-Team als Kapitän auf das Spielfeld. Zum ersten Mal drückt nun der Ex-Nationalspieler als Zuschauer der deutschen Mannschaft vor dem Fernseher die Daumen. Warum sein Terminkalender dennoch voll ist, wer zu den Top-Favoriten der EURO 2022 zählt und worauf es für das deutsche Team ankommt, hat uns Uwe im Gespräch verraten.

Wer gewinnt die EURO 2022?
Der Kreis der Favoriten ist bekannt. Experten tippen wieder auf Spanien, Frankreich, Schweden & Co. Wenn ich nur ein Team herausheben soll, dann muss ich aktuell wohl Dänemark nennen. Der Sieg mit zehn Toren im Vorbereitungsspiel gegen Norwegen war eine deutliche Ansage!

Du sagst, auch Frankreich gehört zu den Favoriten. Kurz vor EM-Start hat das Team gegen Deutschland allerdings knapp verloren.
Das stimmt, ich kenne aber die Franzosen gut genug um sagen zu können, dass sie in der letzten Begegnung nicht unbedingt Vollgas gegeben haben. Vielmehr ging es darum, einiges auszuprobieren. Dennoch kann man festhalten, dass das Spiel aus deutscher Sicht sicherlich sehr vielversprechend war.

Wie hat dir der Auftritt des DHB-Teams in der Vorbereitung insgesamt gefallen?
Wir haben eindeutig neuen frischen Wind im Team. Gleich mehrere junge Spieler mit großer Motivation bringen viel zusätzliche Energie in die Mannschaft. Diese Leidenschaft wird die noch fehlende Routine in einigen Situationen kompensieren. Mit Patrick Wiencek, Kai Häfner oder Andi Wolff sind ja auch etliche erfahrene Nationalspieler in Bratislava dabei, das Gesamtbild des Teams wirkt dennoch „neu“. Philipp Weber wird als Mittelmann fulminant vorangehen und Johannes Golla die Abwehr exzellent organisieren. Entscheidend wird sein, wie gut die Männer die kritischen Phasen im Spiel managen, die Ruhe bewahren, die Fehler korrigieren und leichte Gegentore verhindern können.

Wie weit kann das Team bei der EM deiner Meinung nach kommen?
Realistisch gesehen, muss das Überstehen der Vorrunde Pflicht sein, die Begegnungen in der Hauptrunde sind dann die Kür. Spätestens hier kommen sehr starke Gegner auf uns zu. Ich denke, dass es insgesamt für das deutsche Team ganz gut ist, dass man ohne zu hohe Erwartungen, ziemlich frei aufspielen kann und dann wahrscheinlich viel Selbstvertrauen aus den Siegen mitnimmt – und träumen darf man ja immer!

„In der Rolle des Underdogs könnte aktuell das deutsche Team glänzen.“

Bei der letzten EURO waren es die Teams aus Portugal und aus Ungarn, was glaubst du, wer schafft dieses Mal die große Überraschung?
Ich hoffe, wir! In der Rolle des Underdogs könnte aktuell das deutsche Team glänzen.

Wo schaust du die EURO 2022?
Hauptsächlich vor dem Fernseher. Wenn es unser Trainingsplan zulässt, dann schaue ich die EURO bestimmt auch zusammen mit den Mannschaftskollegen.

Bist du vom DHB, der EHF oder von der HBL irgendwie in die Europameisterschaft eingebunden?
Ich werde beim „DHBspotlight“ als Experte mitwirken und an den Spieltagen der deutschen Mannschaft in meinem eigenen Format „UW3 CALLING“ – präsentiert von der HBL und der DKB – zusammen mit Martin Strobel und weiteren Gästen auf Instagram zu sehen sein.

Könntest du dir vorstellen, das DHB-Team in der Zukunft als TV-Experte zu begleiten?
Es ist auf jeden Fall eine spannende Aufgabe, die mir viel Spaß machen würde. Ich kann mir das gut vorstellen.

„Eine besondere Strategie gab es eigentlich nicht, die Leute hatten einfach Lust mir zu folgen.“

Am 14. Januar übernimmst du für einen Tag den Instagram-Account von Kempa. Würdest du dich als Social-Media-Experten bezeichnen?
Ich kenne mich gut aus und weis deswegen, dass ich auf meinem Profil auch viel mehr machen könnte. (Lacht) Manchmal ist eine Situation längst vorbei, bis ich denke: das wäre doch ein cooler Insta-Post gewesen. Am Freitag werde ich aber Gas geben und mehr auf besondere Situationen achtgeben, versprochen!

Wie viel Zeit am Tag verbringst du so am Handy?
Das ist komplett unterschiedlich. Bei meinem normalen Tagesablauf sind es eher nur wenige Minuten. Wenn wir allerdings eine gefühlte Ewigkeit zum Auswärtsspiel unterwegs sind, ist das lange Herumscrollen auch eine nette Abwechslung.

Du bist mit über 210.000 Follower der Insta-König unter den aktiven Handballern. Betreibst du deinen Account selbst oder lässt du einen Content-Creator ran?
Das mache ich schon allein.

Was ist das Geheimnis hinter deinem Social Media Erfolg?
Ich war relativ früh dran und habe auch einige Videos von besonderen Würfen gepostet, die dann schnell viral gegangen sind. Eine besondere Strategie gab es eigentlich nicht, die Leute hatten einfach Lust mir zu folgen. Ein weiterer Punkt ist sicherlich die Kontinuität. Ich habe schon immer gerne von den Spielen, vom Training oder von den Reisen berichtet. Auf Insta ist es besonders wichtig im hier und jetzt zu sein. Wenn du ein Motiv verpasst, kommt es selten wieder. Das macht aber auch den Reiz aus.

Viele User schwören auf besondere Filter. Wie eitel bist du hier?
Diesen Punkt habe ich noch nicht so richtig kapiert. Die Welt der Filter ging bisher komplett an mir vorbei. Wenn ich für meinen Einsatz am 14. Januar auf dem Insta-Kanal von Kempa eines garantieren kann: Auch an dem Tag werde ich nicht anfangen, damit herumzuexperimentieren!

– Ani Bonamie